Legenden der Poker Hall of Fame II: Nick "The Greek" Dandolos

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Ein Leben wie ein großes Spiel
 

Nick Dandolos wurde 1883 in Rethymno auf Kreta, Griechenland, geboren. Sein frühes Leben war nicht auf die Pokertische ausgerichtet. Als Sohn eines wohlhabenden Teppichhändlers erhielt er eine Ausbildung in Philosophie, studierte am College in Smyrna und sprach sogar sechs Sprachen. Nach dem Abschluss schickte ihn seine Familie nach Amerika, um politischen Problemen zu entgehen, und er erhielt eine monatliche Zulage von 150$ (eine erhebliche Summe für die damalige Zeit). Es war 1902, als der 19-jährige Nick amerikanischen Boden betrat und sofort in die Welt eintauchte, die ihn fesselte – die Welt des Glücksspiels.

Anfangs konzentrierte er sich auf Pferderennen, wo er sein erstes Kapital aufbaute. Seine Intelligenz und analytische Denkweise halfen ihm, Gewinner auszusuchen, und schon mit 20 Jahren hatte er 500.000$ auf dem Konto. Doch Nick erkannte schnell, dass seine wahre Leidenschaft woanders lag. Würfel, Karten und vor allem Poker. Hier konnte er seinen scharfen Verstand und seine psychologischen Fähigkeiten voll ausspielen.

Schnell wurde er ein bekannter Name in den High Stakes Games in den gesamten Vereinigten Staaten. Sein Ruf wuchs mit jedem Sieg und jeder mutigen Wette. Dandolos war nicht nur ein Spieler, er war ein Showman, der die Aufmerksamkeit liebte und bereit war, unglaubliche Summen zu riskieren. Er war bekannt dafür, um die höchsten Einsätze und gegen die besten Spieler zu spielen.

Seine Gewinne waren genauso groß wie seine Verluste. Über die enormen Summen, die er an einem Tag gewinnen oder verlieren konnte, wurden viele Geschichten erzählt. Einmal verlor er beispielsweise in New York innerhalb eines Tages 1,6 Millionen Dollar im Würfelspiel. Eine andere Geschichte erzählt, wie er mit 20.000$ in eine Pokerrunde ging und nach 7 Stunden mit über 500.000$ herauskam.


Dandolos' Komplexe Persönlichkeit
 

Nick „The Greek“ war bekannt für seine extravagante Art. Im Verlauf seines Lebens soll er mehr als 500 Millionen Dollar gewonnen und verloren haben. Er behauptete, er sei mehr als 73 Mal von Armut zu Reichtum gekommen. Das zeugt von seinem extrem aggressiven Spielstil und seiner Bereitschaft, enorme Risiken einzugehen. Wenn er gewann, lebte er wie ein König – kaufte teure Autos, verschwendete in Casinos und spendete großzügig an die Armen und Freunde. Wenn er verlor, endete er oft ganz unten und baute sein Vermögen wieder von Grund auf auf. Diese Unbeständigkeit, aber auch Unbeugsamkeit, machte ihn zu einer faszinierenden Figur.

1931, als Glücksspiele in Nevada legalisiert wurden, zog Nick Dandolos dauerhaft nach Las Vegas. Die Stadt der Sünde war voller Attraktionen und Verlockungen für Touristen und Besucher, aber Nick „The Greek“ war eine der größten Attraktionen der Stadt selbst. Casinos und sogar die Mafia boten ihm ständig Jobs an, aber er nahm nie einen an. Er genoss die Spannung des Glücksspiels, unabhängig davon, ob er gewann oder verlor. Für ihn war es ein Lebensstil, kein Beruf.

Eine weitere kuriose Geschichte über Nick erzählt, dass er einmal den Nobelpreisträger für theoretische Physik, Albert Einstein, zu einem Pokerspiel in Las Vegas begleitete. Diesen weltberühmten Wissenschaftler stellte er den anderen Pokerspielern mit typisch humorvoller Art als „kleinen AI aus Princeton, der ganz New Jersey beherrscht“ vor. Das zeigt seine Charisma und seine Fähigkeit, sich in unterschiedlichen gesellschaftlichen Kreisen zu bewegen.

Nick "The Greek" war nicht nur Spieler und Showman. Er war auch äußerst großzügig. Während seiner Karriere spendete er unglaubliche 20 Millionen Dollar an wohltätige Zwecke, was heute ungefähr 400 Millionen Dollar entsprechen würde. Er war ein Paradox – ein Mann, der Luxus genoss und riesige Summen riskierte, zugleich aber diejenigen nicht vergaß, die weniger Glück hatten.

Nick Dandalos und ehemaliger Schwergewichts-Boxchampion Jack Dempsey


Legendärer Showdown mit Johnny Moss
 

Die vielleicht berühmteste Geschichte, die mit Nick Dandolos verbunden ist, ist sein Marathon-Heads-up-Duell gegen Johnny Moss im Jahr 1949. Dieses Spiel, organisiert von Benny Binion in seinem Horseshoe-Casino, soll Moss mit einem Gewinn von über 2 Millionen Dollar für sich entschieden haben. Obwohl über die genauen Details und die tatsächliche Dauer des Spiels (angeblich fünf Monate) bis heute debattiert wird, wurde dieser epische Showdown zum Katalysator für die Entstehung der World Series of Poker. Binion war so beeindruckt von der Aufmerksamkeit und dem Interesse, das das Spiel erregte, dass er darin das Potenzial zur Massenpopularisierung des Pokers sah. Nicks Bereitschaft, um solch astronomische Summen zu spielen, und sein medialer Charme trugen dazu bei, dass dieser Showdown ikonisch wurde. Gerade diese Partie verlieh Nick den nötigen Starstatus, auch wenn er dabei eine gewaltige Summe verlor.

Johnny Moss


Einfluss auf die Popularisierung des Pokers und Eintritt in die Hall of Fame
 

Nick „The Greek“ wurde 1979 in die Poker Hall of Fame aufgenommen, nicht nur wegen seiner Spielkunst (die, obwohl gut, nicht so beständig war wie die mancher anderer Legenden), sondern vor allem wegen seines enormen Einflusses auf die Popularisierung des Pokers. Er war ein Showman, der Massen und Medienaufmerksamkeit auf das Spiel zog. Er war der Prototyp eines Glücksspielmagnaten, und seine Geschichten – ob wahr, ein wenig ausgeschmückt oder völlig erfunden – halfen, das romantische Bild des Pokers als Spiel für mutige und exzentrische Genies zu formen. Obwohl sein Spielstil im modernen Poker mit strengem Bankroll-Management nicht bestehen würde, zog er in seiner Zeit Geld und Aufmerksamkeit an.


Das Ende einer Ära
 

Mit der Zeit zog sich Dandolos von großen Spielen zurück und spielte in kleinen Casinos um niedrige Einsätze. Das stand im scharfen Kontrast zu seinem früheren, extravaganten Lebensstil. Für ihn war es jedoch wichtig, immer etwas Action am Tisch zu haben. Auch wenn er Millionen verlor, hörte er nie auf, an seine Fähigkeit zu glauben, sich zurückzukämpfen.

Nick Dandolos starb am 25. Dezember 1966 in Las Vegas an Herzversagen im Alter von 83 Jahren. Er hinterließ unzählige Geschichten und den Ruf eines der größten Glücksspieler der Geschichte, dessen Leben selbst ein Glücksspiel war. Seine Aufnahme in die Poker Hall of Fame bestätigt, dass manchmal der Beitrag zur Gemeinschaft und ein legendärer Status genauso wichtig sind wie die Anzahl der Siege.

 

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Quellen: Wikipedia, WSOP